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Roaming in der Schweiz 2026: Was du als Kunde wissen musst und wie du Kosten vermeidest
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Roaming in der Schweiz 2026: Was du als Kunde wissen musst und wie du Kosten vermeidest

Veröffentlicht: 19. März 2026

Die Schweiz ist und bleibt eine Roaming-Insel mitten in Europa. Weil die Schweiz weder EU- noch EWR-Mitglied ist, gilt die Regelung «Roam like at Home» hier nicht. Weder für Schweizer im Ausland noch für EU-Touristen in der Schweiz. Das im März 2026 unterzeichnete Paket «Bilaterale III» enthält kein Roaming-Abkommen, und der Bundesrat blockt weitere politische Vorstösse. Schweizer Mobilfunkkunden zahlen beim Grenzübertritt deshalb weiterhin Aufschläge, die im schlimmsten Fall mehrere tausend Franken pro Gigabyte betragen können. Doch der Markt bewegt sich: Anbieter integrieren EU-Roaming zunehmend in ihre Abos, und eSIMs werden zur ernsthaften Alternative. Dieser Ratgeber zeigt, worauf du achten musst.

Warum die Schweiz beim Roaming ein Sonderfall ist

Roaming bedeutet, dass dein Mobiltelefon im Ausland das Netz eines fremden Anbieters nutzt. Dein Schweizer Provider zahlt dem ausländischen Netzbetreiber eine Gebühr für diese Netznutzung und gibt die Kosten an dich weiter, oft mit erheblicher Marge.

Seit dem 15. Juni 2017 gilt innerhalb der EU und des EWR die Verordnung «Roam like at Home»: EU-Bürger telefonieren, simsen und surfen in allen 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen zu Inlandskonditionen. Diese Regelung wurde 2022 bis zum 30. Juni 2032 verlängert und seit Januar 2026 auf die Ukraine und Moldawien ausgedehnt.

Die Schweiz profitiert davon nicht. Der EWR-Beitritt wurde 1992 per Volksabstimmung abgelehnt, und kein bilaterales Abkommen regelt Roaming. Artikel 12abis des revidierten Fernmeldegesetzes (FMG) würde Preisobergrenzen theoretisch erlauben, aber nur auf Basis eines internationalen Abkommens über Vorleistungspreise. Da ein solches fehlt, hat das BAKOM keine rechtliche Grundlage für einseitige Eingriffe. Politisch scheiterten mehrere Vorstösse: Eine fixe Preisobergrenze wurde 2023 im Ständerat abgelehnt, und die Forderung nach einem separaten EU-Abkommen empfiehlt der Bundesrat erneut zur Ablehnung.

Was Schweizer in der EU fürs Roaming bezahlen

Die Kosten hängen davon ab, ob dein Abo EU-Roaming einschliesst oder nicht. Ohne Roaming-Paket wird es schnell teuer: Laut der Moneyland-Studie 2025 kann eine einzige Stunde Telefonieren im EU-Ausland bis zu CHF 120 kosten. Salt verlangte ohne Datenpaket zeitweise bis zu CHF 19 pro Megabyte, was dem 975-Fachen des Paketpreises entspricht.

Die Standardtarife der drei grossen Anbieter (ohne Paket, EU-Zone) im Überblick:

LeistungSwisscomSunriseSalt
Ausgehende Anrufe/Min.ca. CHF 0.45CHF 1.75CHF 1.99
Eingehende Anrufe/Min.ca. CHF 0.27CHF 1.00CHF 1.99
SMSCHF 0.20–0.40CHF 0.60CHF 0.99
Daten ohne Paketgesperrtgesperrtgesperrt / DayPass nötig
Standard-KostenlimiteCHF 200CHF 50CHF 500

Swisscom ist bei Einzeltarifen am günstigsten, Sunrise hat mit CHF 50 die konsumentenfreundlichste Kostenlimite, und Salt setzt diese bedenklich hoch bei CHF 500 an. Alle drei sperren Datenroaming standardmässig, wenn kein Paket aktiv ist.

Ein typisches Ferienprofil mit drei EU-Reisen pro Jahr, 14 GB Daten und 30 Minuten Telefonie kostet bei Swisscom rund CHF 76, bei Sunrise CHF 154 und bei Salt zwischen CHF 134 und CHF 368. Salt stuft einige EU-Länder wie Bulgarien, Kroatien und die baltischen Staaten in eine teurere Zone ein, was die Unterschiede erklärt.

Welche Abos EU-Roaming bereits enthalten

Wer regelmässig ins EU-Ausland reist, fährt mit einem Abo inklusive Roaming deutlich günstiger. Die wichtigsten Optionen im Überblick:

Swisscom bietet ab dem blue Mobile M (CHF 69.90/Mt.) unlimitiertes Telefonieren, SMS und Surfen in der EU/UK mit 40 GB Highspeed pro Monat. Seit Juli 2025 beinhaltet bereits das blue Mobile S (CHF 29.90/Mt.) monatlich 1 GB in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich. Länderspezifische Datenpakete gibt es ab CHF 5.90 pro GB.

Sunrise hat im April 2025 die Linie «Swiss Connect» lanciert. Das Swiss Connect Europe+ (CHF 79.90/Mt.) bietet unlimitiertes Roaming in 44 europäischen Ländern. Das Swiss Connect Neighbors (CHF 69.90/Mt.) deckt die Nachbarländer unlimitiert ab. Für unter 27-Jährige gibt es Young-Varianten ab CHF 34.95/Mt. Die «Travel Data Unlimited Europe» für CHF 59.90 bietet 30 Tage unlimitiertes Surfen mit 60 GB Highspeed.

Salt setzt auf DayPasses: Für CHF 4.95 pro 24 Stunden gibt es in der Europe-Zone unlimitierte Daten mit 1 GB Highspeed. Das Europe Max (ab CHF 84.95/Mt., Aktionspreis oft CHF 39.95) liefert 40 GB Highspeed und unlimitierte Telefonie in Europa. Wichtig: Salts «Europe»-Zone umfasst nur 29 Länder und schliesst Bulgarien, Kroatien, Estland, Lettland, Litauen und Slowenien aus.

Budget-Anbieter mit starken Roaming-Optionen

Die Schweizer Discount-Marken haben beim Roaming deutlich aufgeholt und bieten teilweise das beste Preis-Leistungs-Verhältnis:

Migros Mobile (seit August 2025, Swisscom-Netz) sticht heraus: Das Swiss Travel für nur CHF 29.95/Mt. beinhaltet 10 GB und 100 Minuten in der EU/UK. Mit der europePLUS-Option für zusätzliche CHF 10/Mt. stehen 40 GB EU-Daten und unlimitierte Anrufe zur Verfügung, bei einem Gesamtpreis von CHF 39.95.

Teleboy (Sunrise-Netz, 4G + 5G) bietet mit dem International-Abo für nur CHF 19.90/Mt. eines der günstigsten Pakete mit EU-Roaming auf dem Markt. Enthalten sind unbegrenztes Datenvolumen in der Schweiz, unlimitierte Anrufe und SMS sowie 10 GB EU-Roaming. Das Abo ist monatlich kündbar mit 60 Tagen Kündigungsfrist. Wer mehr Daten im Ausland braucht, kann Zusatzpakete ab CHF 10 pro GB dazubuchen. Die Aktivierungsgebühr beträgt CHF 49. Für Vielreisende mit moderatem Datenverbrauch ist das eines der attraktivsten Angebote in der Schweiz.

Wingo bietet mit dem Fair Flat (CHF 25/Mt.) den günstigsten Einstieg mit 2 GB EU/UK-Daten. Das Europe Pro (CHF 78/Mt.) liefert unlimitiertes EU/UK-Roaming. Einzelne Datenpakete kosten ab CHF 9.90 für 500 MB.

yallo (Sunrise-Netz) sperrt Roaming standardmässig komplett (Limite CHF 0). Travel-Surf-Pakete gibt es ab CHF 15 für 3 Tage unlimitiert oder CHF 45 für 30 Tage. Ohne Paket kostet ein Megabyte in der EU CHF 2.

Lidl Connect (Salt-Netz) übernimmt Salts Zonenmodell und gehört ohne aktives Paket zu den teuersten Optionen. Datenpakete für die Europe-Zone starten bei CHF 24.95 für 1.5 GB.

Weltweites Roaming: wo es richtig teuer wird

Ausserhalb Europas explodieren die Kosten. In Salts «World»-Zone (Ägypten, Indonesien, Israel) kostet der DayPass CHF 14.95, in der «Far»-Zone (Kuba, Iran, Libanon) CHF 19.95 pro 24 Stunden. Bei Sunrise liegen die Standardtarife in höheren Regionen bei bis zu CHF 15.60 pro Megabyte.

Die gefährlichsten Fallen lauern auf Kreuzfahrtschiffen und in Flugzeugen. Auf hoher See verbinden sich Mobiltelefone mit Satellitennetzwerken: Swisscom berechnet dann CHF 3.70/Min. für ausgehende Anrufe, bei Sunrise sind es CHF 4.80/Min. Swisscom deaktiviert Datenverbindungen auf Schiffen standardmässig; Salt und Sunrise tun dies nicht. Ein Salt-Kunde zahlte auf einem kurzen Flug Hannover–Zürich CHF 32 für nur 2 MB Musikstreaming über das AeroMobile-Satellitnetzwerk.

Sieben Tipps, um Roaming-Kosten zu senken

WLAN konsequent nutzen. Hotel-WLAN, Café-Hotspots und öffentliche Netze sind die einfachste Alternative. Messenger wie WhatsApp, Signal oder FaceTime funktionieren darüber kostenlos. Vor der Abreise Offline-Karten in Google Maps herunterladen.

Datenroaming auf dem Gerät deaktivieren. Auf iPhone unter «Einstellungen → Mobilfunk → Datenoptionen → Datenroaming» und auf Android unter «Einstellungen → Netzwerk → Mobilfunknetz → Datenroaming». So entstehen keine Kosten durch Hintergrund-Apps oder automatische Updates.

Kostenlimite aktiv verwalten. Alle Schweizer Anbieter sind seit 2021 gesetzlich verpflichtet, Kostenlimiten anzubieten. Die Limite sollte vor jeder Reise im Kundencockpit auf einen akzeptablen Betrag gesenkt werden. Bei 80% und 100% erfolgt eine SMS-Warnung.

eSIM als günstige Alternative prüfen. Anbieter wie Airalo, Holafly oder Digital Republic bieten Datentarife ab rund CHF 2 pro GB für europäische Destinationen. Die Ersparnisse gegenüber klassischem Roaming können bis zu 90% betragen. Voraussetzung ist ein eSIM-fähiges Gerät.

Lokale SIM-Karten bleiben eine Option für längere Aufenthalte, sind aber durch eSIMs weniger relevant geworden.

Automatische Netzwahl in Grenzregionen deaktivieren. In Basel, Genf, am Bodensee oder im Tessin kann sich dein Telefon unbemerkt in ein ausländisches Netz einbuchen. Lösung: Unter «Einstellungen → Netzwahl → Automatisch deaktivieren» das Heimnetz manuell wählen.

Roaming-Pakete vor der Reise buchen. Nie ohne aktives Paket ins Ausland reisen. Die Preisdifferenz zwischen Standardtarif und Paket beträgt bei manchen Anbietern den Faktor 975.

Was EU-Bürger beim Besuch in der Schweiz erwartet

Für Reisende aus der EU ist die Schweiz eine der grössten verbliebenen Roaming-Kostenfallen in Europa. Da die Schweiz kein EU/EWR-Mitglied ist, greift «Roam like at Home» hier nicht. Das Handy bucht sich zwar problemlos ins Schweizer Netz ein, aber es gelten die Auslandstarife des Heimanbieters, nicht die regulierten EU-Inlandspreise.

Wie teuer das wird, hängt stark vom EU-Provider ab. Die Abrechnung erfolgt in der Regel pro Megabyte oder in kleinen Dateneinheiten. Bei Vodafone Deutschland kostet Datenroaming in der Schweiz im Standardtarif rund EUR 4 pro Megabyte. Österreichische Provider wie Magenta verlangen teilweise über EUR 11 pro Megabyte. Um diese Zahlen einzuordnen: Ein einziges hochaufgelöstes Foto per WhatsApp verschicken verbraucht etwa 3 bis 5 MB. Wer ein paar Fotos teilt, kurz Google Maps nutzt und E-Mails abruft, kommt schnell auf 50 bis 100 MB. Bei EUR 4 pro MB sind das bereits EUR 200 bis 400 für eine Nutzung, die in der EU kostenlos wäre.

In der Praxis greift zwar eine gesetzliche EU-Kostenobergrenze: Standardmässig wird die Datenverbindung bei EUR 50 automatisch gekappt, sofern der Nutzer keine höhere Limite gesetzt hat. Das schützt vor den schlimmsten Schockrechnungen, aber EUR 50 sind für wenige Megabyte trotzdem viel Geld. Und die Limite gilt nur für Daten. Telefonate und SMS werden separat abgerechnet und können die Rechnung zusätzlich in die Höhe treiben.

Eine wichtige Ausnahme bildet die Deutsche Telekom: Alle MagentaMobil-Tarife behandeln die Schweiz wie ein EU-Land, Roaming ist also inklusive. Auch die Telekom-Tochter fraenk und seit Februar 2025 congstar (in den «GB+»-Tarifen) schliessen die Schweiz ein. Bei allen anderen deutschen Anbietern sowie bei den meisten österreichischen und französischen Providern ist die Schweiz jedoch reguläres Nicht-EU-Ausland mit entsprechenden Aufschlägen.

Wer aus der EU in die Schweiz reist und nicht bei der Deutschen Telekom ist, sollte vorab eine eSIM eines Schweizer Anbieters kaufen oder am Flughafen bzw. Bahnhof eine Prepaid-SIM besorgen. Das ist in wenigen Minuten erledigt und kostet einen Bruchteil dessen, was ein einziger Tag Roaming im Standardtarif verschlingen kann.

Fazit: Der Markt gleicht aus, was die Politik versäumt

Die Schweizer Roaming-Situation verbessert sich nicht durch Regulierung, sondern durch den Wettbewerb der Anbieter und technologische Alternativen. Während der Bundesrat ein Abkommen auf die lange Bank schiebt, haben die Provider EU-Roaming zunehmend in ihre Abos integriert. Migros Mobile zeigt mit dem Swiss Travel für CHF 29.95, dass solide EU-Abdeckung auch ohne Premium-Abo möglich ist. Teleboy geht mit dem International-Abo für CHF 19.90 sogar noch einen Schritt weiter und bietet 10 GB EU-Roaming zum tiefsten Monatspreis im Vergleich.

Drei konkrete Empfehlungen: Erstens, vor jeder Reise die Kostenlimite prüfen und anpassen. Zweitens, für Gelegenheitsreisende genügt ein günstiges Basis-Abo plus Datenpaket; Vielreisende fahren mit Migros Mobile Swiss Travel + europePLUS (CHF 39.95/Mt.) oder Swisscom blue Mobile M am besten. Drittens, für Reisen ausserhalb Europas eine eSIM ernsthaft in Betracht ziehen.

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