Frequenzvergabe Schweiz 2027: Warum Sunrise und Salt um ihre Existenz fürchten
Anfang 2027 vergibt der Bund die Mobilfunkfrequenzen neu. Was technisch klingt, ist politisch brisant: Sunrise und Salt warnen öffentlich davor, dass die geplanten Auktionsregeln Swisscom noch mächtiger machen könnten – auf Kosten des Wettbewerbs. Für dich als Mobilfunkkunde geht es dabei um Preise, Netzqualität und die Frage, wie viel Auswahl du künftig noch hast.
Was bei der Frequenzvergabe 2027 auf dem Spiel steht
Frequenzen sind die Grundlage jedes Mobilfunknetzes. Ohne Frequenzlizenzen kann kein Anbieter Gespräche übertragen, Daten senden oder 5G betreiben. Die bestehenden Lizenzen laufen 2027 aus – dann vergibt das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) die Frequenzbänder neu, voraussichtlich im Rahmen einer Auktion.
Drei Anbieter kämpfen um diese Lizenzen: Swisscom, Sunrise und Salt. Das Problem liegt in den Auktionsregeln, die das BAKOM noch festlegen muss. Wer wie viele Frequenzen zu welchem Preis ersteigern darf, entscheidet darüber, wer in den nächsten Jahren ein konkurrenzfähiges Netz betreiben kann – und wer nicht.
Warum Sunrise und Salt alarmiert sind
Laut einem Bericht von cash.ch fürchten Sunrise und Salt, dass die Auktionsregeln Swisscom bevorzugen könnten. Der Staatskonzern verfügt über deutlich mehr finanzielle Mittel und könnte in einer offenen Auktion ohne Obergrenzen schlicht mehr bieten als die Konkurrenz.
Das Resultat wäre eine Frequenzkonzentration bei Swisscom: mehr Bandbreite, bessere Netzabdeckung, überlegene 5G-Kapazitäten. Sunrise und Salt blieben mit weniger Spektrum zurück – was ihre Netzqualität direkt beeinträchtigt und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig untergräbt.
Die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen. In anderen europäischen Ländern haben schlecht konzipierte Frequenzauktionen dazu geführt, dass kleinere Anbieter aufgeben mussten oder von grösseren übernommen wurden. Eine Konsolidierung von drei auf zwei Anbieter – oder gar einen dominanten Player – ist kein theoretisches Szenario.
Die Kernfrage: Wie soll das BAKOM die Auktion gestalten?
Das BAKOM steht vor einem klassischen regulatorischen Dilemma. Auf der einen Seite stehen Investitionsanreize: Wer viel für Frequenzen bezahlt, hat einen Anreiz, das Netz intensiv zu nutzen und auszubauen. Auf der anderen Seite steht der Wettbewerbsschutz: Wenn ein Anbieter alle begehrten Frequenzen aufkauft, leidet die Marktstruktur.
Mögliche Instrumente, die das BAKOM einsetzen könnte:
- Frequenzobergrenzen: Kein einzelner Anbieter darf mehr als einen bestimmten Anteil des Spektrums halten.
- Reservierte Blöcke: Bestimmte Frequenzbänder werden ausschliesslich für kleinere Anbieter reserviert.
- Versorgungsauflagen: Lizenznehmer müssen Mindestversorgung in ländlichen Gebieten garantieren.
- Roaming-Pflichten: Kleinere Anbieter erhalten garantierten Netzzugang bei grösseren Konkurrenten.
Welche Kombination das BAKOM wählt, ist noch offen. Die Konsultation läuft, die Fronten sind verhärtet.
Was das für dich als Mobilfunkkunde bedeutet
Die Frequenzvergabe 2027 ist kein abstraktes Regulierungsthema. Sie hat direkte Auswirkungen auf deinen Alltag.
Preise
Wettbewerb hält Preise tief. Das zeigt die Geschichte des Schweizer Mobilfunkmarkts: Als Salt (damals Orange) in den 1990er-Jahren eintrat, sanken die Tarife spürbar. Wenn heute ein Anbieter wegfällt oder massiv geschwächt wird, sinkt der Preisdruck. Swisscom hätte weniger Anreiz, günstige Tarife anzubieten – und Sunrise könnte Verluste durch höhere Preise kompensieren müssen.
Netzqualität
Mehr Frequenzspektrum bedeutet mehr Kapazität. Ein Anbieter mit wenig Spektrum hat Mühe, in dicht besiedelten Gebieten hohe Datenraten zu liefern. Wenn Sunrise oder Salt deutlich weniger Frequenzen ersteigern als Swisscom, dürfte sich das in langsameren Verbindungen und mehr Netzüberlastung niederschlagen – besonders in Städten.
Anbietervielfalt
Drei konkurrierende Netzbetreiber sind die Basis für Angebote wie günstige Mobilfunktarife von MVNOs und Discount-Anbietern. Viele dieser Anbieter mieten Netzkapazität von Sunrise oder Salt. Geraten diese unter Druck, kann das die gesamte Angebotslandschaft verengen.
Der Zeitplan und die nächsten Schritte
Die Auktion ist für Anfang 2027 geplant. Das BAKOM muss die Vergabebedingungen voraussichtlich bis Ende 2026 festlegen. Bis dahin laufen die Konsultationen – alle drei Anbieter versuchen, die Regeln in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Die politische Dimension ist erheblich: Der Bundesrat hat ein Interesse daran, dass die Schweiz eine hochwertige digitale Infrastruktur behält. Gleichzeitig ist Swisscom mehrheitlich im Staatsbesitz – ein Interessenkonflikt, den Sunrise und Salt offen ansprechen.
Fazit: Beobachten, aber noch nicht handeln
Die Frequenzvergabe 2027 ist ein Prozess, der sich noch entwickelt. Heute einen Anbieter zu wechseln, weil man Angst vor Netzqualitätsverlust hat, wäre verfrüht. Die Lizenzen laufen erst 2027 aus, Netzveränderungen würden danach schrittweise eintreten.
Was du jetzt tun kannst: Deinen aktuellen Mobilfunktarif auf Preis-Leistung prüfen. Unabhängig von der Frequenzauktion lohnt sich ein Mobilfunk-Vergleich regelmässig – der Markt bietet aktuell noch starken Wettbewerb mit attraktiven Angeboten.
Die Entwicklung rund um die Frequenzvergabe werden wir auf zufriedenmit.ch weiterverfolgen und dich informieren, sobald das BAKOM konkrete Vergabebedingungen veröffentlicht.


