Stelle dir vor, du sitzt in deiner Wohnung in Zürich, Bern oder Lausanne. Im Keller verlässt ein Kabel das Gebäude. Es gehört Swisscom. Trotzdem kannst du dein Internet bei einem Dutzend verschiedener Anbieter buchen, zu sehr unterschiedlichen Preisen. Bei Teleboy zahlst du für 1 Gbit/s CHF 44.90, bei Init7 CHF 44, bei iWay CHF 49 und bei TeleKing in der Aktion sogar nur CHF 24. Swisscom selbst verlangt für vergleichbare Geschwindigkeit deutlich mehr. Wie kann das sein?
Ein Netz, viele Anbieter
Die physische Leitung in deiner Wand gehört in den meisten Fällen Swisscom. Der ehemalige Monopolist hat über Jahrzehnte das Kupfer- und Glasfasernetz aufgebaut, das heute den grössten Teil der Schweiz versorgt. Andere Netze existieren zwar auch. Das Sunrise-Kabelnetz aus UPC-Zeiten, das Salt-Fiber-Netz in einzelnen Städten, lokale Stadtnetze in Zürich, Bern und der Westschweiz. Für den Grossteil der Haushalte führt aber ein Swisscom-Kabel ins Wohnzimmer.
Damit auch andere Anbieter dieses Netz nutzen können, schreibt die Regulierung in der Schweiz vor: Swisscom muss ihre Infrastruktur zu fairen Konditionen Dritten öffnen. Das Modell dahinter heisst BBCS (Broadband Connectivity Service). Vereinfacht funktioniert es so: Swisscom liefert die Leitung und die Signalübertragung. Ein anderer Anbieter packt sein Logo, seinen Router und seinen Kundendienst darauf. Die technische Leistung kommt aus der gleichen Quelle.
Es gibt allerdings Unterschiede in der Tiefe, in der ein Anbieter ins Netz integriert ist. Drei Modelle sind relevant.
Drei Wege auf die Swisscom-Leitung
Bitstream-Reseller mieten den fertigen Internet-Bitstrom bei Swisscom. Sie haben kaum eigene Netztechnik vor Ort, sondern leiten den Datenverkehr nur an ihr Backbone weiter. Geschwindigkeit, Latenz und Verfügbarkeit hängen damit fast vollständig von Swisscom ab. Wenn das Netz vor Ort stottert, stottert es bei allen Bitstream-Resellern gleichermassen. Typische Vertreter sind Teleboy, iWay, Green.ch, TeleKing und Wingo, eine Tochter von Swisscom selbst.
Layer-1-Reseller mieten nur die nackte Glasfaser. Den Rest, also die aktive Technik im Verteilkasten, betreiben sie selbst. Das gibt ihnen volle Kontrolle über Routing, Geschwindigkeitsstufen und Backbone. In der Praxis bedeutet das oft tiefere Latenz, höhere Spitzen-Geschwindigkeiten und keine künstliche Drosselung. Der bekannteste Fall ist Init7 mit seinem Fiber7-Angebot. Init7 hat damit symmetrische 25 Gbit/s im Privatkundensegment erst möglich gemacht.
Eigene Netze gehören gar nicht zu diesem Schema. Sunrise nutzt in vielen Städten ihr ehemaliges Kabelnetz, Salt baut ein eigenes Glasfasernetz aus, und in der Westschweiz dominiert net+ mit Regional-Infrastruktur. Dieser Artikel fokussiert bewusst auf den grössten Fall in der Schweiz: das Swisscom-Netz.
Preisvergleich: Dieselbe Leitung, andere Rechnung
Die Preise unten beziehen sich auf das gleiche physische Netz. Wenn an deiner Wand eine Swisscom-Buchse hängt, kannst du je nach Verfügbarkeit zwischen diesen Angeboten wählen.
100 Mbit/s symmetrisch
| Anbieter | Monatspreis | Vertragsdauer | Bewertung |
|---|---|---|---|
| TeleKing | CHF 19 Aktion, danach CHF 38 | 20 Monate | 4.7 |
| Green.ch | CHF 24.95 Aktion, danach CHF 49.90 | 24 Monate | 4.4 |
| Teleboy | CHF 34.90 | 12 Monate | 4.6 |
| iWay | CHF 39 | 12 Monate | 4.3 |
1 Gbit/s
| Anbieter | Monatspreis | Vertragsdauer | Bewertung |
|---|---|---|---|
| TeleKing | CHF 24 Aktion, danach CHF 48 | 20 Monate | 4.7 |
| Init7 (Layer 1) | CHF 44 | 12 Monate | 4.5 |
| Teleboy | CHF 44.90 | 12 Monate | 4.6 |
| iWay | CHF 49 | 12 Monate | 4.3 |
10 Gbit/s
| Anbieter | Monatspreis | Vertragsdauer | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Teleboy | CHF 48.90 | 12 Monate | 4.6 |
| Green.ch | CHF 54.95 | 24 Monate | 4.4 |
| iWay | CHF 59 | 12 Monate | 4.3 |
Wer noch mehr braucht, schaut zu Init7 mit symmetrischen 25 Gbit/s für CHF 64.75 pro Monat. Das ist nur möglich, weil Init7 als Layer-1-Reseller eigene Technik im Anschluss betreibt. Der vollständige Internetanbieter-Vergleich zeigt dir alle Speedklassen mit Filter nach Technologie und Vertragslaufzeit.
Vorsicht bei Aktionspreisen
Drei der vier günstigsten Angebote sind Aktionspreise mit Preissteigerung nach 6 bis 18 Monaten. Bei TeleKing verdoppelt sich der Preis nach 6 Monaten, bei Green.ch verdoppelt sich der Preis nach 12 Monaten. Wer den vollen Vertragspreis über die gesamte Laufzeit rechnet, landet schnell wieder beim Marktdurchschnitt. Teleboy und iWay arbeiten dagegen ohne Lockprämie und ohne automatische Steigerung. Was du im ersten Monat zahlst, zahlst du auch im 24. Monat.
Eine zweite Stolperfalle ist die Vertragsbindung. 12 Monate sind in der Schweiz Standard, 20 oder 24 Monate sind länger als üblich. Wer flexibel bleiben möchte, sollte das einrechnen.
Was sagen die Kunden?
Bei den Bewertungen liegen alle Anbieter im akzeptablen bis sehr guten Bereich. Die Streuung erzählt aber eine Geschichte. TeleKing führt mit 4.7 Sternen, hat aber nur 224 Bewertungen und fällt bei Trustpilot deutlich ab. Teleboy liegt mit 4.6 Sternen bei 1818 Bewertungen auf dem zweiten Platz und ist statistisch der robusteste Wert in der Liste. Init7 kommt auf 4.5 bei 786 Bewertungen. Green.ch und iWay bewegen sich im Bereich 4.3 bis 4.4 bei jeweils hoher Anzahl Rückmeldungen.
Interessant ist Swisscom selbst. Der Mutterkonzern hat oft tiefere Kundenbewertungen als seine Reseller. Wer das Swisscom-Netz will, aber nicht die Swisscom-Erfahrung, findet bei einem Reseller meistens den besseren Service.
Was die Anbieter wirklich unterscheidet
Wenn die Leitung identisch ist und der Preisrahmen vergleichbar, woran erkennst du, welcher Anbieter zu dir passt? Es sind vier Dimensionen.
Router und Hardware. Alle hier verglichenen Anbieter inkludieren einen WLAN-Router im Preis. Die Modelle unterscheiden sich aber stark. Teleboy und iWay setzen auf aktuelle AVM FritzBox-Geräte, Init7 liefert je nach Geschwindigkeit verschiedene Profi-Router. Wer eigene Hardware nutzen will, prüft vorab die Kompatibilität.
TV und Bundles. Teleboy ist ursprünglich ein TV-Anbieter mit eigener Plattform und kombiniert Internet und Streaming. Init7 und iWay bieten kein eigenes TV. Green.ch hat ein eigenes TV-Produkt, TeleKing bündelt mit Partnern.
Kundendienst. Hier zeigen sich die grössten Unterschiede. Teleboy, Init7 und iWay haben in den Bewertungen konstantes positives Feedback zum Support. Bei TeleKing fehlt schlicht die statistische Tiefe, um seriös zu urteilen.
Aktivierung und Wechsel. Eine Aktivierungsgebühr fällt fast immer an. Bei Teleboy CHF 49, bei iWay CHF 50, bei Init7 CHF 77, bei Green.ch und TeleKing bis CHF 99. Bei einem Wechsel zwischen Anbietern, die alle auf BBCS sitzen, ist der technische Aufwand minimal. Die Leitung bleibt physisch dieselbe, nur die logische Konfiguration ändert sich.
Welche Wahl macht für dich Sinn?
Wenn du günstig einsteigen willst und Aktionspreise akzeptierst, ist TeleKing in der Aktionsphase preislich kaum zu schlagen. Achte auf die Preissteigerung nach 6 Monaten und die Vertragslaufzeit von 20 Monaten.
Wenn du den besten Mix aus Preis, Stabilität und Bewertungen suchst, fährt Teleboy stark. Der Einstiegspreis von CHF 34.90 für 100 Mbit ist transparent und ändert sich nicht. Die Bewertungsbasis ist mit Abstand die grösste. Details findest du auf der Teleboy-Anbieterseite.
Wenn du technisch das Maximum aus dem Swisscom-Glasfasernetz holen willst, ist Init7 die Adresse. Symmetrische 25 Gbit/s, eigenes Backbone, keine künstliche Drosselung. Der Aufpreis gegenüber den Bitstream-Resellern ist gering. Init7 lohnt sich besonders, wenn du Server zu Hause betreibst oder hohe Uploads brauchst. Die Plandetails liegen auf der Init7-Anbieterseite.
Wenn du Wert auf eine bestehende Geschäftsbeziehung mit Swisscom legst oder Kombi-Pakete mit Mobilfunk und TV willst, bleibt Swisscom selbst eine Option. Du zahlst dann allerdings für die Marke, nicht für die Leitung. Den vollen Überblick über Bundle-Möglichkeiten findest du im Kombi-Vergleich.
Ein Kabel im Boden, viele Anbieter darauf. Wer das versteht, spart über die Vertragslaufzeit schnell ein paar hundert Franken. Die Technik ist dieselbe. Der Service ist es nicht.


